Ausgehend von der quantenmechanischen Betrachtung des gesamten Festkörpers
sollen in diesem Kapitel die Bewegungsgleichungen des Ladungsträgertransports
erarbeitet werden [39][40][41]. Ein Festkörper
besteht aus der Gesamtheit von positiv geladenen Gitterionen und Elektronen.
Der Ladungsträgertransport wird aber fast ausschließlich von den Elektronen,
die sich in höheren Bändern befinden, hervorgerufen. Das bedeutet, daß
diejenigen Elektronen, die sich in abgeschlossenen Schalen befinden, zu
Ionenrümpfen zusammengefaßt werden können und nicht zum Stromtransport
beitragen. Als unabhängige Bestandteile betrachtet man nun die Gitterrümpfe
und die Leitungselektronen. Wenn man nun die Gesamtenergie betrachtet, muß man
folgende Beiträge berücksichtigen, nämlich die kinetische Energie der
Gitterionen und die Wechselwirkung der Gitterionen , die kinetische
Energie der Elektronen und die Wechselwirkung der Elektronen
untereinander als auch die Wechselwirkung der Elektronen und der Gitterionen
. Zusätzlich beeinflußt eine äußere, angelegte Spannung,
die in
enthalten sein soll, die Dynamik des Gesamtsystems. In der
quantenmechanischen Formulierung wird nun die Gesamtenergie mittels des
Hamiltonoperators
als Summe aller einzelnen Energiebeiträge,
geschrieben. Eine rein quantenmechanische Lösung dieses gekoppelten Systems ist
aufgrund der hohen Komplexität und der hohen Anzahl an Teilchen, die im
Festkörper auftreten, nicht möglich. Das Gesamtsystem wird in zwei
Teilsysteme aufgespalten, nämlich in ein Teilsystem der Elektronen in einem
Kristallgitter und ein
Teilsystem der Ionen ohne Berücksichtigung der räumlichen Verteilung der
Elektronen [42]. Die adiabatische Näherung besagt, daß sich die
Elektronenkonfiguration aufgrund der niedrigen Masse der Valenzelektronen auf
eine Verschiebung der Ionenlagen rasch einstellt, während die Ionen einer
Verschiebung der Gesamtkonfiguration wegen der wesentlich höheren Masse im
allgemeinen nur sehr langsam folgen können. Für die Elektronenbewegung ist
also die augenblickliche Konfiguration der Ionen wichtig. Man erhält, da
der Beitrag der kinetischen Energie der Ionen zum Stromtransport vernachlässigt
werden kann, als relevanten Operator für die Gesamtenergie,
der sich nur noch aus der Energie der Elektronen, der Wechselwirkung der
Elektronen mit dem Gitter und des Energiebeitrags äußerer Einflüsse
zusammensetzt. Da in dieser Schreibweise noch immer die Anteile aller Elektronen
enthalten sind, die Gesamtwellenfunktion aus allen Elektronen zusammensetzt ist
und einer praktischen Lösung nicht zugänglich ist, wird mit der
Hartree-Fock-Näherung das Vielteilchenproblem auf ein Einteilchenproblem
reduziert [42]. Anstatt eines Gesamtzustands, der die Konfiguration
aller Elektronen aufweist, setzt sich die gesamte Elektronenkonfiguration
näherungsweise als Produkt aus Einteilchenzuständen, die die kinetische
Energie der Elektronen beinhalten. Die Wechselwirkung eines Elektrons
mit allen anderen
ist dabei abgespalten werden [42],
Das bedeutet, daß man das gekoppelte Gesamtsystem aller Elektronen mit einer geeigneten Zusammensetzung von Einteilchenzuständen der einzelnen Elektronen beschreiben kann, wobei die Gesamtwellenfunktion in bezug auf Vertauschung zweier Einteilchenzustände antisymmetrisch sein muß. Der Hamiltonoperator für ein einziges Elektron setzt sich nun aus den folgenden Beiträgen zusammen,
wobei die kinetische Energie eines einzelnen Elektrons , die angelegten
Spannungen
, der Einfluß des Kristalls
und
Wechselwirkungen der Elektronen untereinander
auftreten. Dabei wird
der Beitrag vom Gitter noch zusätzlich in ein ungestörtes Gitterpotential
und in ein periodisches, um die Gleichgewichtslage oszillierendes
Störpotential der einzelnen Ionen
aufgespalten,
Die Schrödingergleichung für die Wellenfunktion hat damit
folgendes Aussehen,
wenn die Elektron-Elektron-Wechselwirkung aufgrund niedriger Konzentrationen
vernachlässigt beziehungsweise als kleine Störung aufgefaßt wird. Dabei gibt
der Ausdruck die Aufenthaltswahrscheinlichkeit der
Elektronen an. Die potentielle Energie setzt sich aus den am Festkörper
angelegten Spannungen und den sogenannten ``Built-in''-Potentialen
, dem periodischen Kristallpotential
und einem Störpotential
zusammen. Die erste Komponente beschreibt sowohl die angelegte
Spannung am Festkörper, der zweite Term diejenigen Wechselwirkungen, die von
dem periodischen Potential auf die Elektronen einwirken. Der letzte Beitrag
beschreibt die Störungen des idealen Kristalls und Streuung an
Störstellen. Dieser Beitrag muß quantenmechanisch untersucht
werden. Stoßionisation wird aufgrund phänomenolgischer Gesetzmäßigkeiten
bestimmt und ebenfalls als Störung behandelt.
Vernachlässigt man den ersten und dritten Term der potentiellen Energie
( und
) in Gleichung 2.25 und betrachtet
man nur stationäre Elektronenzustände, dann erhält man als Lösung dieser
Schrödingergleichung die Wellenfunktion
der
Elektronen in einem idealen Kristall als Blochfunktionen
mit dem Bandindex und dem Kristallvolumen
als
Normierungskonstante. Die Funktion
enthält die
Periodizität des Kristalls. Ein vollständiger Satz aller Energieeigenwerte
, die für jeweils ein Band des Festkörpers kontinuierlich
sind, und die verbotenen Zonen zwischen den einzelnen Bändern wird als
Bandstruktur eines Materials bezeichnet.
Diese Blochfunktionen sind aber auch Eigenfunktionen zu dem folgenden Operator
und es gilt
Nun kann die Schrödingergleichung 2.25 derart umgeformt werden, daß eine Beziehung zwischen dem Operator mit der kinetischen Energie und dem periodischen Kristallpotential auftritt,
In dieser Gleichung tritt also neben dem neuen Operator nur noch ein Term auf,
der zum äußeren Potential proportional ist, wobei magnetische Felder
vernachlässigt werden. Die Störung wird im nächsten Kapitel
behandelt. Ferner wird angenommen, daß das elektrische Feld zu schwach sei, um
Übergänge zwischen den Bändern zu ermöglichen und zusätzlich, daß die
Bänder nicht entartet sind
. Damit ist das periodische Kristallpotential direkt in die
Eigenschaften des Elektrons inkorporiert. Das Elektron verhält sich also bei
einem äußeren elektrischen Feld als freies Teilchen mit der negativen
Elementarladung
, wobei dieses der durch die Bandstruktur gegebenen
Dispersionsrelation für die Energie unterliegt. Die Dynamik dieser
Kristallelektronen wird mit
berechnet, wobei das elektrische Feld mit dem Potentialoperator in folgender Relation [42]
steht. Die Ladung des Kristallelektrons wird mit bezeichnet. Im Ortsraum
kann nun die Bewegung der Ladungsträger mit der Gruppengeschwindigkeit
beschrieben werden. Ein vollbesetztes Band liefert also, wie bereits im Beginn dieses Kapitels gesagt worden ist, keinen Beitrag zum elektrischen Strom.
Halbleitermaterialien werden nun so charakterisiert, daß man das letzte Band,
das bei einer Temperatur von besetzt ist, als Valenzband und das
nächsthöher liegende als Leitfähigkeitsband bezeichnet. Zwischen diesen
beiden Bändern befindet sich eine verbotene Zone mit einer Energiedifferenz
, in der sich auch die Fermienergie
befindet. Da
Elektronen einer Fermi-Dirac-Statistik gehorchen, kann jeder Zustand nur ein
einziges Mal besetzt werden. Bei einer Temperatur von
sind alle Zustände
unterhalb des Ferminiveaus besetzt, und daher verhalten sich Halbleiter wie
Isolatoren, da keine Elektronen im Leitfähigkeitsband anzutreffen sind. Erst
bei höheren Temperaturen treten Elektronenzustände gemäß der
Fermi-Dirac-Verteilungsfunktion in diesem Band auf, und somit kann Strom
geleitet werden. Nichtbesetzte Zustände im Valenzband werden als Löcher
bezeichnet und tragen ebenso zum Stromtransport bei, wobei diese mit
entgegengesetzter Ladung zu den Elektronen angenommen werden. Mit der Dotierung
von Halbleitern durch Akzeptoren und Donoren können die elektronischen
Eigenschaften von Halbleitern verändert werden, da sich dadurch die Fermikante
verschiebt. Das bedeutet, daß in
-dotierten Halbleitern mehr Elektronen
aufgrund der niedrigeren Ionisierungsenergien der ungesättigten Bindungen der
Dopanden im Leitfähigkeitsband gemäß der statistischen Verteilung vorhanden
sein werden, falls die Temperatur höher als der absolute Nullpunkt ist. In
Analogie sind daher bei
-dotierten Materialien nicht alle Zustände des
Valenzbandes gefüllt und Ladungstransport wird von den Löchern verursacht.