Gate-Ströme werden mit zwei aufeinanderfolgenden Monte-Carlo-Rechnungen für Silizium und Siliziumdioxid berechnet. Da Monte-Carlo-Rechnungen sehr zeitaufwendig sind und nur zur Bestimmung des Hochenergieanteils der Ladungsträger benötigt werden, wird eine Anfangslösung mit einem Drift-Diffusionsmodell (MINIMOS 6.0 [158]) ermittelt. Danach werden mit dem Monte-Carlo-Simulator BEBOP 3.2 [47][51] diejenigen Elektronen extrahiert, die an der Grenzfläche zu Siliziumdioxid emittiert worden sind. Von diesen Elektronen ausgehend wird mit einem Monte-Carlo-Programm für Siliziumdioxid derjenige Anteil an Elektronen bei stationären Betrieb des Transistors bestimmt, dessen Trajektorien in der Gate-Elektrode enden. Der Ablauf dieses Simulationsflusses ist in Abbildung 5.1 festgehalten.
Zur Berechnung desjenigen Anteils des Gate-Stromes, dessen Beiträge sich aus direktem Tunneln nach der Approximation von Fowler und Nordheim (Gleichung 4.1) oder der Transmissionsrate von Gleichung 4.25 gemäß dem Potentialprofil nach Abbildung 4.1(a) zusammensetzen, werden alle Elektronen, die die Grenzfläche erreichen, berücksichtigt und danach reflektiert. Der Gate-Strom wird nun so ermittelt, daß die Ladung der Elektronen gewichtet ist, dabei aber zusätzlich noch mit der Transmissionsrate multipliziert wird,
wobei die Simulationszeit darstellt, die im allgemeinen bei
stationären Berechnungen sehr groß sein muß. Das Gewicht des einzelnen
Elektrons wird mit
bezeichnet.
Zur Bestimmung, ob ein Elektron in Siliziumdioxid emittiert wird, muß zuerst
die Transmissionswahrscheinlichkeit der Normalkomponente des Impulses und
näherungsweise die mit dem Verhältnis von Normalimpuls und Betrag des
Wellenvektors extrahierte Energie normal zur Grenzfläche ermittelt
werden. Danach wird die Transmissionsrate mit einer Zufallszahl verglichen. Der
Beitrag des -ten Elektrons, das an der Grenzfläche angetroffen wird, ist nun
Ist die Transmissionswahrscheinlichkeit, wie sie aus Abbildung 4.1(b) und Gleichung 4.28 gegeben ist, größer als die Zufallszahl, dann wird das Elektron als injiziert betrachtet und von der Simulation des Substrats entfernt; andernfalls wird das Teilchen reflektiert. In der anschließenden Monte-Carlo-Rechnung im Siliziumdioxid wird nun einerseits der Beitrag der Elektronen, die direkt in die Gate-Elektrode injiziert werden, als auch derjenige Bruchteil ermittelt, deren Trajektorien am Übergang zum Kanal enden, bestimmt. Damit ergibt sich dann der Anteil derjenigen Ladung, die wiederum vom Oxid ins Substrat zurückgestreut wird, als auch der Anteil, der in die Gate-Elektrode injiziert worden ist.
Bei der Injektion von Elektronen vom Kanal in Siliziumdioxid wird der Injektionsvorgang als augenblicklich angesehen und elastisches Tunneln wird angenommen. Damit muß die Energieerhaltung erfüllt sein. Im Gegensatz dazu ist es weder bei anisotropen Vollbandmodellen noch bei approximativen, isotropen Mehrbandmodellen möglich, auch den Kristallimpuls zu konservieren [112][152]. Zusätzlich ergeben sich mit einer semiklassischen Näherung, die alle erlaubten Zustände zuläßt, keine Beschränkungen in bezug auf den Elektronenzustand im injizierten Material. Daher wird zur Bestimmung des Zustands der Elektronen im Oxid wie folgt vorgegangen.
Der Impuls normal zur Grenzfläche wird Null gesetzt. Die beiden parallelen
Komponenten des Wellenvektors werden gemäß des Verhältnisses im Kanalbereich
bestimmt. Das Elektron beginnt den freien Flug nun am Schnittpunkt der
Normalenergie mit dem abfallenden elektrischen Potential des Oxids. Wenn
aufgrund eines kleinen Potentials kein Schnittpunkt möglich ist, dann tunnelt
das Elektron direkt in die Gate-Elektrode.
Die Transmissionsraten sind für die Berechnung eines -Transistors
derart erweitert, daß die Feldabhängigkeit an der Grenzfläche berücksichtigt
wird. Elektronen haben nur dann eine endliche Transmissionswahrscheinlichkeit,
wenn die Normalkomponente des elektrische Feldes größer Null
ist, andernfalls werden Elektronen am Übergang von Silizium zu Siliziumdioxid
reflektiert und setzen ihre Trajektorien im Substrat fort. In Siliziumdioxid
wird angenommen, daß die Begrenzungen an der Source- und Drain-Seite
ideal reflektierend seien, der Gate-Kontakt als auch die Grenzfläche von
Si/SiO
stellen ideal absorbierende Randbedingungen dar. Das bedeutet, daß
ein Teilchen auf dieses zweidimensionale Simulationsgebiet eingeschränkt ist.