Durch Elektromigration können Leerräume und Leitungseinengungen entstehen (siehe auch Abb. 1.4a). Um zu untersuchen, wie sich diese Erscheinungen auf den elektrischen Widerstand der Leitung, die Stromdichteverteilung und lokale Erwärmung auswirken, wird eine Reihe von Simulationen durchgeführt. Dazu wird die folgende Teststruktur gewählt (Abb. 7.6).
Da diese Struktur zwei Symmetrieebenen aufweist, muss lediglich ein Viertel der Anordnung simuliert werden. In Abb. 7.6 ist der Simulationsbereich durch eine strichpunktierte Linie markiert. Der Simulationsbereich umfasst außerdem noch das Oxid, das die Leitung umgibt, sowie einen Teil des Silizium-Substrats (der in der Abbildung nicht dargestellt ist).
Für die Simulation wurde ein Gitter mit 34920 Tetraederelementen mit quadratischen Ansatzfunktionen benutzt. Die Anzahl der Gitterknoten betrug 44286.
Vorerst soll die Erwärmung durch die Verlustleistung
außer Acht gelassen werden und ausschließlich das elektrische System
betrachtet werden.
Im folgenden Beispiel wurde die Tiefe der Leitungseinengung
mit [200]nm angenommen und die Leitung mit einem Strom
von [1]mA belastet.
Die Verteilung der Stromdichte ist in Abb. 7.7 auf der Oberfläche
des simulierten Viertels dargestellt.
Man erkennt hier, dass der Betrag der Stromdichte an der unteren Kante des
Einschnittes sehr hoch wird.
Die exakte Lösung der Laplace-Gleichung weist an einspringenden Kanten
eine Singularität in der Stromdichte auf.
Durch die in der Finite Elemente Methode getroffene Fomulierung der
Näherungslösung mit linearen
bzw. quadratischen Ansatzfunktionen können jedoch
im Gradienten des Potenzials keine Singularitäten auftreten und es
ergibt sich für die Stromdichte an einer einspringenden Kante immer
ein zwar recht hoher, aber dennoch endlicher Wert.
Je feiner man das Simulationsgitter in der Umgebung der Kante wählt, desto
genauer kann man die exakte Lösung in diesem Bereich approximieren und
desto höher wird auch der errechnete Spitzenwert der Stromdichte.
In diesem Beispiel ergibt die Simulation ein Maximum
von [6.39]MA/cm.
Mit einem etwas gröberen Gitter wurden [4.52]MA/cm
und mit einem etwas
feineren [7.92]MA/cm
errechnet.
An solchen singulären Stellen kann man also durch Wahl eines entsprechend
feinen Gitters jede beliebig hohe Stromdichte als Ergebnis erhalten.
Durch FEM-Berechnungen gewonnene Aussagen über maximale Stromdichten bei
Geometrien mit einspringenden Kanten (die teilweise in der Literatur
zu finden sind, z.B. [150]) sind deshalb mit sehr großer Vorsicht
zu genießen.
Um die Singularität der Stromdichte genauer zu untersuchen, wird im Folgenden
eine analytische Lösung der Laplace-Gleichung in zwei Dimensionen
abgeleitet.
Abbildung 7.8 zeigt das Gebiet, für das die Lösung hergeleitet
werden soll.
Die beiden Ränder stellen für das elektrische Potenzial
homogene Neumann-Bedingungen dar.
Ferner lässt sich zeigen, dass aus Gründen der Symmetrie das
Potenzial entlang der strichpunktiert eingezeichneten Linie konstant ist.
Man kann deshalb ohne Beschränkung der Allgemeinheit dort eine
homogene Dirichlet-Bedingung annehmen und die Berechnung auf das halbe Gebiet
reduzieren.
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Homogene Leitfähigkeit vorausgesetzt, kann das Potenzial
durch die Laplace-Gleichung beschrieben werden, die in Polarkoordinaten
wie folgt angeschrieben werden kann:
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(7.3) |
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(7.4) |
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(7.5) |
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(7.7) |
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(7.10) |
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(7.12) |
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(7.13) |
Nun kann der Betrag der Stromdichte berechnet werden. Sie setzt sich aus Termen der folgenden Form zusammen
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(7.15) |
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(7.16) |
In Abb. 7.9 wurde die Stromdichte in einer zweidimensionalen FEM-Simulation
um eine -Kante berechnet und mittels Isolinien dargestellt.
Die Gitterdichte wurde im Bereich der Singularität extrem hoch gewählt.
Es ergab sich eine hervorragende Übereinstimmung zwischen Simulation und
analytischer Berechnung für all jene Gitterpunkte, die mehr als
zwei Gitterelemente von der Singularität entfernt liegen (Fehler unter
1%).
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Inwieweit eine Leitungseinengung eine Erhöhung von Leitungswiderstand
und Temperatur verursacht, soll hier in einer gekoppelt elektro-thermischen
Simulation untersucht werden.
Der Strom wurde dabei konstant [10]mA gewählt (entspricht einer
Stromdichte von [13]MA/cm im vollen Leiterquerschnitt) und die Tiefe
der Einengung wurde variiert.
Die Temperaturverteilung in der Nähe der Einengung ist für
in Abb. 7.10 dargestellt.
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Wie sich der Widerstand und die maximale Temperatur verhalten ist aus Abb. 7.11 zu entnehmen. Man kann hier einen sehr steilen Anstieg des Widerstandes und der Temperatur erkennen, wenn die verbleibende Leitungsdicke sehr dünn wird.
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(7.18) |
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(7.20) |
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(7.21) |
Je weiter man sich dieser Grenze nähert, desto größer wird die Sensibilität für numerische Fehler. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn in dem kritischen Bereich Singularitäten in der Stromdichte auftreten. Um trotzdem genaue Resultate zu erhalten, ist es unbedingt notwendig in solchen Bereichen die Gitterdichte genügend hoch zu gestalten.
Zum Abschluss dieses Beispiels soll noch überprüft werden, wie
aussagekräftig die berechneten Temperaturmaxima sind.
Wie bei der Analyse der Stromdichteverteilung gezeigt wurde, hat der
errechnete Maximalwert der Stromdichte an einspringenden Kanten wegen der
dort auftretenden Singularität keine Aussagekraft.
Aus der Singularität in der Stromdichteverteilung resultiert folglich
auch eine Singularität der Verlustleistungsdichte :
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(7.22) |
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(7.23) |
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(7.24) |
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(7.25) |
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(7.26) |