Um die in der Simulation verwendeten physikalischen Modelle zu überprüfen, und den Einfluß verschiedener Parameter und physikalischer Effekte auf das Verhalten des Bauelements zu demonstrieren, ist der `ungated' MESFET besonders geeignet. Dabei wird die Strom-Spannungskennlinie des MESFET vor dem Aufbringen eines Gatekontaktes gemessen. Im wesentlichen stellt ein `ungated' MESFET eine Widerstandsstrecke dar, die alle geometrischen Merkmale des MESFET aufweist, und anhand der sich die elektrischen Eigenschaften der aktiven Schicht in Verbindung mit dem Substrat gut charakterisieren lassen. Für die Simulation bietet diese Struktur die Möglichkeit, die Modelle für die Beweglichkeit, den Einfluß der Oberfläche und des Substrates zu überprüfen. Aus den Forschungslaboratorien von SIEMENS in München standen Meßwerte für einen `ungated' MESFET auf einem epitaktisch hergestellten Substrat zur Verfügung. Abb. 4.13 zeigt den Aufbau und die Geometrie des Bauelements.
Abbildung 4.13: Aufbau und Geometrie des `ungated' MESFET
Das Bauelement ist aus drei Epi-Schichten auf einem semi-isolierenden Substrat
aufgebaut. An der Oberfläche befindet sich eine dicke, hochdotierte
n-Schicht, die für eine gute ohmsche Kontaktierung von Source und Drain
sorgen soll. Die Dotierungskonzentration beträgt
.
Darunter befindet sich die aktive Schicht mit einer Dicke von
und
einer Dotierungskonzentration von
. Zur Verbesserung
der Qualität der aktiven Schicht ist diese auf einen sogenannten `buffer
layer', der ebenfalls epitaktisch hergestellt wird, aufgewachsen.
Der `buffer layer' bewirkt die Relaxation der an der Oberfläche des
semi-isolierenden Substrats vorhandenen Gitterdefekte (vgl. Kap.
2.2.3). Das Bauelement besitzt einen `recess', d.h. zwischen Source
und Drain wurde eine Vertiefung geätzt, in der später der Gatekontakt
aufgebracht wird. Mit der Tiefe des `recesses' kann der Sättigungsstrom des
Bauelements bei offenem Kanal sehr genau eingestellt werden. Die Dicke der
aktiven Schicht im Kanalbereich beträgt hier
, die Länge des
`recess'
beträgt
. Als Passivierung der Oberfläche zwischen den
Kontakten wurde Siliziumnitrid mit einer relativen Dieelektizitätskonstante von
angenommen.
MESFETs auf epitaktischen Substraten haben
den Vorteil, daß aufgrund des Aufbaus, die Dotierungsprofile
der überanderliegenden Schichten schärfer begrenzt und im allgemeinen besser
bekannt sind. Das erleichtert den Vergleich von Messung und Simulation, da die
genaue Kenntnis des Dotierungsprofils dabei ein entscheidender Faktor ist.
Allerdings ist der Sättigungsstrom des zur Verfügung stehenden
MESFET mit ca. bei
Gateweite relativ hoch, und der Einfluß der
Kontakt- und der Meßwiderstände auf die Strom-Spannungskennlinie kann nicht
mehr vernachlässigt werden. Außerdem ist an der Kennlinie die durch die hohe
Verlustleistung auftretende Erwärmung des Bauelements zu erkennen. Bei
zunehmender Drainspannung sinkt der Strom aufgrund der Temperaturabhängigkeit
der Beweglichkeit wieder. Der Einfluß der Serienwiderstände kann in der
Simulation berücksichtigt werden, der Wert dieser Widerstände ist allerdings
nicht ganz genau bekannt. Die Summe aller Serienwiderstände wurde mit
angegeben. Der Einfluß der Erwärmung des Bauelements während
der Messung kann allerdings nicht berücksichtigt werden.
Abb. 4.14 zeigt die Strom-Spannungskennlinie des Bauelements. Sie wurde an vier verschiedenen Stellen auf dem Wafer gemessen. Mit Ausnahme eines Ausreißers streuen die Messungen um etwa 5%.
Abbildung 4.14: Gemessene Ausgangskennlinien des `ungated' MESFET
Um eine Übereinstimmung der Simulation mit den Meßergebnissen zu erhalten, wird zuerst der Einfluß folgender physikalischer Effekte und Parameter auf die Ausgangskennlinie untersucht:
Als Beweglichkeitsmodell für die Elektronen wird hier das reduzierte
Zweibandtransportmodell (vgl. 3.4.3) verwendet. Für die
Dotierungsabhängigkeit der Beweglichkeit wurden die Parameter nach Hilsum
[31] verwendet. Wenn nicht speziell darauf hingeweisen wird, ist das
verwendete Substrat mit p-dotiert und eine
Oberflächenzustandsdichte von
wird berücksichtigt.
Die `recess'-Länge beträgt
, und die Serienwiderstände werden
vernachlässigt.
In die Simulation einbezogen wurde nur der `buffer layer',
er wird im folgenden auch als Substrat bezeichnet.
Abbildung 4.15: Einfluß der Oberflächenzustandsdichte:
und
Abb. 4.15 zeigt den starken Einfluß der Oberflächenzustände auf
die Ausgangskennlinie. Für die Oberflächenzustandsdichte wurde ein Wert von
angenommen. Abb. 4.16 zeigt die Wirkung
auf die Potentialverteilung in einer Tiefe von
bis
. Die
`recess'-Oberfläche befindet sich bei
. Man erkennt, daß
das Potential an der Oberfläche um
niedriger liegt als im Kanal. Der
wirksame Kanalquerschnitt wird um beinahe
verringert.
Abbildung: Potentialverteilung im `ungated' MESFET mit
Berücksichtigung der Oberflächenzustände
Die Depletionszone an der Oberfläche muß also in der Simulation unbedingt berücksichtigt werden. Speziell in Betriebsfällen mit offenem Kanal ist diese Depletionszone der limitierende Faktor für den Sättigungsstrom.
Abb. 4.17 zeigt den Einfluß verschiedener Substrate.
Simuliert wurde das Bauelement mit einem n-Substrat mit ,
einem p-Substrat mit
und einem EL2-Substrat mit
und
.
Wie schon in
Kap. 4.2 gezeigt wurde, wird durch das n-Substrat keine
Potentialbarriere gegen das Eindringen der Elektronen aufgebaut. Die
Stromleitung kann daher auch im Substrat erfolgen, der Sättigungsstrom liegt
beinahe um die Hälfte höher. Im EL2-Substrat ist gegenüber dem p-Substrat
die Potentialbarriere einerseits durch die geringere Akzeptorenkonzentration,
andererseits durch die Kompensationseffekte der EL2 Störstellen geringer.
Der Ausgangsstrom liegt daher auch etwas höher.
Abbildung: Einfluß des `buffer layer':
p-Substrat ,
n-Substrat ,
EL2-Substrat
Abb. 4.18 zeigt den Einfluß der `recess'-Länge auf die
Ausgangskennlinie. Man kann erkennen, daß die Länge der durch die
Oberflächenladungen erzeugten verarmten Zone einen starken Einfluß auf den
Widerstand der gesamten Halbleiterstrecke hat. Mit abnehmender Länge der
verarmten Zone im Kanalbereich wird der Leitwert im linearen Bereich größer,
und der Sättigungsstrom steigt.
Abbildung 4.18: Einfluß der `recess'-Länge: ,
und
Abb. 4.19 zeigt den Einfluß des mit angegebenen
Serienwiderstandes. Man erkennt hier die Auswirkung auf den Anstieg im linearen
Bereich.
Abbildung 4.19: Einfluß der Serienwiderstände: und
Abb. 4.20 zeigt schließlich den Vergleich mit der Messung. Bei der Simulation wurden hier auch die Serienwiderstände berücksichtigt. Sowohl die Simulation mit dem reinen p-Substrat als auch die Simulation mit einem realistischeren EL2-Substrat zeigt sehr gute Übereinstimmung mit den gemessenen Daten, sieht man vom Einfluß der Erwärmung auf die gemessene Kennlinie ab.
Abbildung 4.20: Vergleich Messung-Simulation mit zwei verschiedenen Substraten:
p-Substrat
EL2-Substrat
Diese Simulationen zeigen, daß sich nur durch eine Einbeziehung aller oben
beschriebenen physikalischen Effekte eine gute Übereinstimmung mit dem realen
Bauelement erzielen läßt. Darüberhinaus kann man davon ausgehen, daß die
Annahme einer Akzeptorkonzentration von nicht ganz
unrealistisch ist. Die Änderungen, die sich durch Berücksichtigung
verschiedener EL2 Konzentrationen ergeben, liegen im Bereich der Streuung der
Meßwerte über den Wafer, und lassen daher keine Rückschlüsse auf die
tatsächliche EL2 Konzentration zu.