Die Annahme der Gültigkeit des lokalen Gleichgewichts impliziert nicht nur
die Anwendbarkeit der Gibbs Fundamentalform, sondern aller thermostatischer
Beziehungen in kontinuierlichen thermodynamischen Systemen
[90], [115], [192].
Diese Voraussetzung erlaubt die Anwendung
der Maxwellrelationen, um in Gl. (3.62) die Entropiedichte
zu eliminieren.
Indem die Ableitungen der Entropiedichte nach den
Ladungsträgerkonzentrationen auf
die Änderung der Quasifermipotentiale in
Abhängigkeit von der Temperatur zurückgeführt werden
[2], [35], [200],
ermöglichen die Maxwellrelationen die Auswertung von Gl. (3.62)
ohne Einschränkungen und weitere Annahmen:
Setzt man Gl. (3.76) in die Wärmeflußgleichung (3.55) ein, ergibt sich:
Um Hochdotierungseffekte zu berücksichtigen, werden die
Quasifermipotentiale nicht nur als Zustandsfunktionen des
elektrostatischen Potentials , der
Ladungsträgerkonzentrationen
bzw.
und der Temperatur
, sondern auch der effektiven intrinsischen
Ladungsträgerkonzentration
betrachtet
[168], [174].
Ersetzt man in der Boltzmannstatistik
durch
,
können (2.68) und (2.69) wie folgt geschrieben werden:
Mit Hilfe der Ableitungen
lassen sich sowohl die zeitliche Änderung der Entropiedichte (3.76) als auch die Stromrelationen (3.49), (3.50) neu formulieren. Gl. (3.76) nimmt folgende Form an:
Entwickelt man die Gradienten der Quasifermipotentiale
in Abhängigkeit von ,
,
bzw.
,
und setzt obige
Ableitungen ein, ergibt sich aus Gl. (3.49) und (3.50)
folgende Form der Stromrelationen:
Gl. (3.89), (3.90) enthalten Gl. (3.28),
(3.29), um die elektrische Leitfähigkeit
auf die Beweglichkeit
zurückzuführen.
Die effektive thermoelektrische Kraft
kann - verglichen mit
(3.73), (3.74) - auf allgemeinere Weise definiert
werden:
Gl. (3.89), (3.90) lassen sich umformen, um Transportparameter einzuführen, die den verwendeten treibenden Kräften konjugiert sind (wie die Leitfähigkeiten und thermoelektrischen Kräfte den in Gl. (3.49), (3.50) verwendeten):
Gl. (3.93), (3.94) enthalten im Unterschied zur einfachen
Drift-Diffusionsnäherung (2.131) sowohl einen erweiterten
Driftterm als auch einen erweiterten Diffusionsterm.
Der Strom setzt sich aus vier Anteilen zusammen.
Ein effektives elektrisches Feld [136] berücksichtigt nicht
nur angelegte und eingebaute elektrische Felder, sondern zusätzliche
innere Felder aufgrund von Hochdotierungseffekten.
Letztere sind
in Gl. (3.93), (3.94) durch die
Ortsabhängigkeit der
effektiven intrinsischen Ladungsträgerkonzentration
bedingt (siehe auch [150]).
Der chemische Diffusionsstrom wird durch die ortsabhängige
Ladungsträgerkonzentration verursacht.
Er ist wie in Gl. (2.131) dem Konzentrationsgradienten proportional.
bezeichnet den Diffusionskoeffizienten.
Für ihn gilt die Einsteinbeziehung (2.130).
Auch ein Temperaturgradient kann Ursache
des Konzentrationsgefälles sein.
Der Thermodiffusionsstrom kommt dadurch zustande, daß Ladungsträger in
Gebieten höherer Temperatur eine höhere, mittlere, thermische
Geschwindigkeit haben.
Wegen des damit verbundenen Energieunterschieds wandern die
Ladungsträger ins kältere Gebiet.
wird als Thermodiffusivität oder Soretkoeffizient bezeichnet.
Es stellt sich heraus, daß die effektive thermoelektrische Kraft das
Verhältnis von Thermodiffusivität und Beweglichkeit darstellt.
kann als Soretfaktor bezeichnet werden.
Faßt man die bisherigen Ergebnisse zusammen, erhält man ein vollständiges System von Bestimmungsgleichungen für den thermoelektrischen Transport. Die Poissongleichung (3.16) beschreibt den Einfluß der transportbedingten Änderungen der Ladungsträgerkonzentrationen auf das elektrische Feld, das seinerseits in den Trägerkontinuitätsgleichungen als stromtreibende Kraft auftritt:
Gl. (3.22), (3.23) ergeben mit den Stromrelationen (3.89), (3.90) folgende Kontinuitätsgleichungen für Elektronen und Löcher:
Die Wärmeflußgleichung folgt nach kurzer Rechnung aus Gl. (3.55), (3.88) und (3.91), (3.92):
Gl. (3.98) ist sowohl im stationären als auch im transienten Bereich gültig.
Die rechte Seite von Gl. (3.98) stellt die Wärmegeneration dar. Sie enthält alle lokalen Energiekonversionsprozesse, die zur Selbsterwärmung beitragen können. Mit der Selbsterwärmung sind Dissipationsvorgänge verbunden. Die arbeitsfähige Energie des angelegten, externen, elektrischen Feldes wird in Wärmeenergie umgewandelt (irreversible Energieumwandlung). Mikroskopisch betrachtet bedeutet Energiedissipation die Umwandlung der kinetischen Energie einer geordneten Molekularbewegung in die kinetische Energie einer ungeordneten Bewegung. Die linke Seite von Gl. (3.98) enthält die Wärmeleitung. Der Wärmetransport durch Wärmeleitung stellt eine Energieübertragung im atomaren Bereich dar, die keine makroskopische Arbeit einschließt.
Es können vier charakteristische Wärmequellen unterschieden werden.
Die ersten zwei Summanden
beschreiben Joulesche Wärmverluste infolge des Elektronen- bzw.
Löchertransports.
Die Joulewärme muß immer positiv sein, weil sie dem Quadrat der
Stromdichte proportional ist.
Die beiden nächsten Terme berücksichtigen die Thomsonwärme.
Das Vorzeichen hängt wegen der Stromproportionalität sowohl von der
Stromrichtung wie vom Ladungsträgertyp ab.
Die Thomsonwärme ist eine Konsequenz der Energieerhaltung.
Die Bedeutung der Rekombinationswärme ist bereits in [3]
hervorgehoben worden.
Sie tritt in Gl. (3.98)
- verglichen mit [3] - in einer erweiterten Form auf,
die nicht nur den Beitrag des Bandabstandes enthält.
Die letzten beiden Ausdrücke werden als Ladungsträgerquellwärme
interpretiert.
Sie repräsentieren die Änderung der im System enthaltenen Energie
aufgrund der Nettoänderung der Konzentration geladener Teilchen
in einem Volumselement, dem ein bestimmter, als Produkt der
thermoelektrischen Kraft und der Temperatur ausgedrückter Energiewert
zugeordnet wird.
Der Energieaustausch
aufgrund lokaler Umladung
ist insbesondere als transientes Phänomen signifikant.
Die Ladungsträgerquellwärme kann als
transienter Effekt der Zweibandleitung aufgefaßt werden.
Im stationären Fall reduziert sich die rechte Seite von Gl. (3.98)
auf die quasistatische Näherung der Wärmegeneration (3.75),
vorausgesetzt, daß Hochdotierungseffekte vernachlässigt werden
(
).